
Eine Ausstellung im OHO in Oberwart
Offenes Haus Oberwart
Lisztgasse 12
8. bis 30. April
Nach vielen Jahren der Integrationsbemühungen seitens der Volksgruppe der Roma und Sinti und auch der politischen Verantwortungsträger haben Kinder der Roma Volksgruppe auch heute noch immer nicht dieselben Entwicklungschancen wie Kinder der Mehrheitsbevölkerung.
Mit dieser Ausstellung der Volkshochschule der Burgenländischen Roma werden erstmals die Lebensrealitäten von Romakindern der letzten Jahrzehnte untersucht. In 15 Portraits werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede innerhalb der Gruppe der Burgenland-Roma, der Gesamtbevölkerung sowie in unterschiedlichen Generationen erkennbar und erlebbar gemacht.
Ich durfte am Donnerstag bei der Eröffnung der Ausstellung selbst erkennen und erleben.
Roma und Gadsche gemeinsam haben diese Ausstellung auf die Beine gestellt, 15 Menschen erzählen in sehr persönlichen Interviews über ihre Kindheit ..
Die meisten von ihnen wuchsten im Südburgenland auf, einige in Wien , hier zeigen sich schon der ersten Unterschiede.
Geht man die Stufen im Oho hinauf findet sich gleich im Treppenhaus, die Verordnung des NS- Landeshauptmannes Portschy (der Name alleine läßt mir schon den kalten Schauer über den Rücken laufen und der Magen verkrampft.. aber das ist eine andere Geschichte)
stolz gibt er bekannt, dass die Zigeunerkinder künftig vom Schulbesuch ausgeschlossen werden !
die Objekte der Ausstellung sind direkt mit den Interviews verbunden.
Sie zeigen einerseits die glückliche Kindheit innerhalb der Familie - die alle Interviewten so beschreiben. Man erzählt von den Märchen die Großväter auf Romanes erzählt haben und von der Geborgenheit die einem die Familie gegeben hat.
Andere sind ein deutliches Zeichen der Diskriminierung, welche sich bis heute noch anhält!
Noch 1987 war ein Brief an den Bundespräsidenten notwendig um aufzuzeigen, dass alleine auf Grund der Herkunft Menschen im Südburgenland aus Lokalen ausgeschlossen wurden
In der Schule gab es lange Zeit noch immer eine Art "Rassentrennung" die Romakinder saßen in der letzten Reihe. Eine Frau berichtet darüber,dass sie einen Tag lang neben einer Gadsche in der Schule gesessen ist. Die Mutter kam schon am nächsten Tag in die Schule und beschwerte sich bei der Lehrerin darüber, dass ihre Tochter doch nicht neben einer Roma sitzen kann. Es ist noch nicht lange her als ein Lehrer noch immer gerne von sich gegeben hat "die letzte Reihe gehört vergast", es wird von Schlägen und ungerechter Bestrafung berichtet.
Es wird aber auch von sehr positiven Erlebnissen berichtet, von Lehrern die nach Ende des Unterrichts Romakinder mit nach Hause genommen haben und ihnen dort Nachhilfe gegeben haben, um die Fehler ihrer KollegInnen aus den anderen Klassen zu korrigieren. Es tut sehr gut zu wissen, dass es Menschen wie diese gibt.
Lange Zeit war der übliche Weg die Romakinder nach der Volksschule in die Sonderschule zu stecken..
Hans Samer erzählt unter anderem in seinem Interview, dass er als Hans Sarközy geboren wurde, als seine Mutter bemerkte, dass er mit diesem Namen keine Arbeit bekommt ging sie auf das Standesamt und ließ den Familiennamen ändern - die Arbeit war innerhalb von kurzer Zeit kein Problem.
Es wird über Badeverbote für6-10 jährige Roma in Freibädern erzählt, die Kinder hätten eine besondere Genehmigung des Bürgermeisters benötigt - diese wurde bei jeder Vorsprache auf dem Gemeindeamt abgelehnt.
Margarethe Baranyai erzählt davon, dass ihre Kinder noch beim Einkaufen von den Gadsche als " das sind die Zigeunerkinder" bezeichnet wurden... Frau Baranyai wird ungefähr in meinem Alter sein! Sie meint auch noch "das wird sich nie ändern" ...
Ferry Janoschka ist einer der Roma die nicht in Österreich geboren wurden, 1972 floh er mit seiner Familie in einer spektakulären Aktion aus der ehemaligen CSSR, die Familie hat sich im umgebauten Tank eines Autos versteckt, Fluchthelfer waren Österreicher. Er erzählt von der herzlichen Begrüßung durch die Österreicher, von Jacken und Eis und Süßigkeiten die ihnen geschenkt wurden.. heute fühlt er sich wie nach einer Zeitreise.
Er spricht mir aus dem Herzen, wo ist der Geist unserer Eltern und Großeltern die den Menschen die vor Regimen und Unterdrückung geflohen sind die Hand reichen ?
Die Präsentation der Interviews hat mich bewegt, hat mich auch sehr wütend gemacht !! Was maßen sich Menschen heute noch an auf Grund ethnische Gruppen wie in der NS - Zeit zu verurteilen ??
Rund 10 Mio. Menschen gehören in Europa der Volksgruppe der Roma an - ungefähr soviele Menschen wie Ungarn Einwohner hat. Die Roma werden im EU Parlament von 2 Abgeordneten vertreten - Ungarn hat im Vergleich rund 22.
Gerade in unserer unmittelbaren Nachbarschaft, in Ungarn in der Slowakei in Rumänien...., wird die Diskriminierung der Roma wieder schlimmer als je zuvor!
Verschließen wir nicht die Augen....
zusammengefasst war dieser Satz für mich persönlich die Botschaft dieser Ausstellung
"Wenn man Rassimus begegnet, dann aufstehen! Der nächste könnte dein Kind sein
nie wieder möchte ich so ein Hinweisschild in einer Ausstellung lesen müßen
und ich bin mir sicher, dass einige Gadsche der Frau Horvat diese 350,00 Schilling noch neidig waren, ich kenn es hier bei mir im Ort, eine Dorfbewohnerin - ebenfalls Roma - hatte eine kleine Rente bezogen, sie hat das KZ überlebt. Ihr steifer Fuß hat sie jeden Tag daran erinnert und wenn sie einmal Schokolade oder gar eine Topfengolatsche im Einkaufskörberl hatte, hat sich das gesammelte Krampfaderngeschwader die Goschn darüber zerrissen !!
in diesem Sinne ..
NIE WIEDER
eure
Rosa
PS: und wie "lustig" das Zigeunerleben sein kann, dass könnt ihr im Blog von meinem virtuellen Freund nachlesen
http://wortlieb.over-blog.com/article-faria-faria-fum-lustig-ist-das-poetenleben-48173293.html
da steht dann Error.
Der Satz spricht mich auch an.
...wobei ich beides schlimm fände: wenn mein Kind Opfer von Rassismus werden würde,
als auch,wenn es selbst zu einem Rassisten werden würde...
Ja,das habe ich auch gelesen,dass es da in vielen Ländern wieder schlimmer wird mit dem Diskriminieren...
aha,das mit den Angeordneten wusste ich nicht
...hm,gerade mal 2...
Liebe Grüße
von uns 2